Erst messen, dann ausgleichen: Vitamine und Spurenelemente für Haut, Haare und Nägel
Trockene Haut, brüchige Nägel, mehr Haare in der Bürste: Im Herbst greifen viele zu Vitamin D, Zink, Eisen oder Kombinationspräparaten für Haut, Haare und Nägel. Die Präparate sind frei verkäuflich und wirken harmlos. Zwei Fragen bleiben dabei meist offen: Fehlt dem Körper überhaupt etwas? Und wie viel ist zu viel?
Warum Präparate auf Verdacht selten helfen
Haut, Haare und Nägel erneuern sich ständig und brauchen dafür Eiweiß, Eisen, Zink und mehrere Vitamine. Ein echter Mangel kann sich deshalb außen zeigen. Der Umkehrschluss gilt aber nicht: Wer gut versorgt ist, bekommt durch zusätzliche Vitamine keine kräftigeren Nägel und keine dichteren Haare.
Hinzu kommt: Die meisten brüchigen Nägel haben eine äußere Ursache, etwa häufiges Händewaschen, Putzmittel, Desinfektion, Nagellackentferner oder Gelnägel. Trockene Winterhaut entsteht vor allem durch Heizungsluft, heißes Duschen und zu wenig Rückfettung. Auch ein Nagelpilz oder eine Schuppenflechte der Nägel kann wie ein Mangel aussehen. Deshalb steht vor jeder Blutentnahme der Blick auf Haut und Nägel.
Manche Stoffe können in hoher Dosis schaden
Vitamine und Spurenelemente sind Wirkstoffe. Für mehrere von ihnen ist der Abstand zwischen sinnvoller und zu hoher Zufuhr kleiner, als viele annehmen.
- Vitamin D: Das Bundesinstitut für Risikobewertung hält bis zu 20 Mikrogramm (800 Einheiten) täglich in Nahrungsergänzungsmitteln für unbedenklich. Im Handel sind Präparate mit einem Vielfachen davon. Dauerhaft zu hohe Dosen können den Kalziumspiegel im Blut erhöhen, mit Übelkeit, Nierensteinen und bleibenden Nierenschäden als möglicher Folge.
- Zink: Für Nahrungsergänzungsmittel empfiehlt das Bundesinstitut höchstens 6,5 Milligramm am Tag. Als langfristig sichere Obergrenze aus allen Quellen gelten 25 Milligramm. Wer über längere Zeit deutlich mehr einnimmt, behindert die Aufnahme von Kupfer. Die Folge kann eine Blutarmut sein.
- Eisen: Der Körper kann überschüssiges Eisen nicht aktiv ausscheiden. Es lagert sich ab und belastet unter anderem die Leber. Eisen gehört deshalb nur bei nachgewiesenem Mangel in die Behandlung.
- Folsäure: In hoher Dosis kann sie das Blutbild normalisieren, obwohl ein Vitamin-B12-Mangel weiter besteht. Der Mangel bleibt dann länger unerkannt. Deshalb bestimmen wir beide Werte zusammen.
Die höhere Dosis ist nicht die gründlichere Behandlung. Liegt tatsächlich ein Mangel vor, kann vorübergehend mehr nötig sein, als die Höchstmengen für frei verkäufliche Präparate vorsehen. Das gehört dann in ärztliche Hand, mit einer Kontrolle der Werte.
Sagen Sie uns bitte vor der Blutentnahme, welche Präparate Sie einnehmen. Einige können Laborergebnisse beeinflussen.
Was sich messen lässt
- Eisen und Ferritin: Ein Eisenmangel kann sich an brüchigen, dünnen Nägeln, trockener Haut, eingerissenen Mundwinkeln und diffusem Haarausfall zeigen, oft bevor eine Blutarmut auffällt.
- Zink: Ein Mangel kann die Wundheilung verzögern und zu dünnen, brüchigen Nägeln mit Querrillen führen. Bei Ekzemen wie der Neurodermitis finden sich häufiger niedrige Zinkwerte, und ein ausgeprägter Mangel kann selbst ekzemartige, schlecht heilende Hautveränderungen hervorrufen, typischerweise um den Mund sowie an Händen und Füßen.
- Vitamin B12 und Folsäure: eingerissene Mundwinkel, wiederkehrende Aphthen, eine glatte, brennende Zunge.
- Schilddrüse: Bei einer Unterfunktion wird die Haut trocken und kühl, die Nägel wachsen langsam und brechen leicht.
- Vitamin D: Von Oktober bis März reicht die Sonne in Deutschland nicht aus, damit die Haut selbst genügend Vitamin D bildet. Nach den Daten des Robert Koch-Instituts ist knapp ein Drittel der Erwachsenen mangelhaft versorgt. Ob Sie dazugehören, zeigt der Blutwert.
Unsere Blutuntersuchungen in drei Stufen
Unsere Blutuntersuchungen für Haut und Haare bauen aufeinander auf. Welche Stufe für Sie sinnvoll ist, besprechen wir vor der Blutentnahme. Dazu gehören auch Fragen nach Ihrer Ernährung, nach Diäten und nach Medikamenten, die Sie regelmäßig einnehmen.
- Vitamin- und Nährstoffstatus: großes Blutbild, Vitamin D, Vitamin B12, Folsäure, Zink, Gesamteiweiß und Albumin.
- Erweitert, mit Eisen und Schilddrüse: zusätzlich Eisen, Ferritin, CRP und TSH. Das CRP zeigt an, ob eine Entzündung die Eisenwerte verfälscht.
- Komplett: zusätzlich Transferrin, die freien Schilddrüsenhormone sowie Holotranscobalamin und Homocystein. Diese beiden Werte zeigen einen Vitamin-B12-Mangel früher an als der Gesamtwert.
Für besondere Fragestellungen, etwa bei veganer oder vegetarischer Ernährung, gibt es eigene Profile.
Ablauf und Kosten
Die Blutentnahme erfolgt direkt in unserer Praxis, die Proben gehen an ein spezialisiertes Labor. Zeigt das Ergebnis einen Mangel, gleichen wir ihn gezielt aus und kontrollieren den Wert nach einigen Monaten. Ist alles in Ordnung, wissen Sie, dass Sie sich die Präparate sparen können.
Abhängig von der Fragestellung sind die Untersuchungen Selbstzahlerleistungen und werden dann nach der Gebührenordnung für Ärzte abgerechnet. Die genauen Kosten nennen wir Ihnen vorab.
So geht es weiter
Bei Haarausfall gehört die Blutuntersuchung zur Abklärung. Wie diese abläuft, lesen Sie auf unserer Seite zum Haarausfall. Was Ihrem Haar im Alltag guttut, steht in unserem Beitrag zur Haarpflege.
Einen Termin vereinbaren Sie über unsere Online-Terminbuchung oder telefonisch unter 0231 431036.
PD Dr. med. Schapoor Hessam, Facharzt für Dermatologie und Venerologie



