Mehr Haare in der Bürste? Was Ihrem Haar guttut und was ihm schadet
Im Herbst hören wir in der Sprechstunde oft die Frage, ob die falsche Pflege schuld am Haarausfall ist. Meist ist sie es nicht. Pflege entscheidet aber darüber, wie gut das vorhandene Haar erhalten bleibt. Was dabei zählt, haben wir hier zusammengestellt.
Warum im Herbst mehr Haare ausfallen
Jedes Haar durchläuft einen Zyklus aus Wachstum, Übergang und Ruhe. Am Ende der Ruhephase fällt es aus, und ein neues wächst nach. Untersuchungen zeigen, dass im Sommer ein größerer Anteil der Haare in die Ruhephase eintritt. Diese Haare fallen einige Wochen später aus, also im Herbst. Bis zu 100 Haare am Tag gelten als normal, saisonal können es vorübergehend mehr sein. Dieser Haarwechsel reguliert sich von selbst.
Waschen
Häufiges Waschen verursacht keinen Haarausfall. Die Haare, die beim Waschen ausgehen, hatten sich schon vorher gelöst. Waschen Sie so oft, wie es Ihre Kopfhaut braucht.
- Verwenden Sie ein mildes Shampoo und lauwarmes Wasser.
- Das Shampoo gehört auf die Kopfhaut, die Spülung in die Längen.
- Spülen Sie gründlich aus.
Trocknen und Hitze
Nasses Haar ist empfindlicher als trockenes. Drücken Sie es mit dem Handtuch aus, statt es trocken zu rubbeln, und entwirren Sie es mit einem grobzinkigen Kamm. Föhnen Sie mit Abstand, in Bewegung und auf niedriger Stufe. Große Hitze direkt am Haar schadet. Glätteisen und Lockenstab belasten das Haar am stärksten und sollten die Ausnahme bleiben.
Färben und chemische Behandlungen
Färben, Blondieren und Dauerwellen greifen den Haarschaft an, nicht die Haarwurzel. Das Haar wird dadurch brüchig und reißt ab. Das sieht aus wie Haarausfall, ist aber Haarbruch. Größere Abstände zwischen den Behandlungen verringern die Belastung, und das nachwachsende Haar bleibt unbeschädigt.
Frisuren und Zug
Straffe Zöpfe, ein strenger Dutt und schwere Haarverlängerungen ziehen dauerhaft an der Haarwurzel. Hält dieser Zug über Jahre an, können die Haare am Haaransatz und an den Schläfen dauerhaft ausgehen. Tragen Sie das Haar öfter offen oder locker gebunden, und verwenden Sie eine Bürste mit weichen Borsten.
Kopfhaut
Eine gesunde Kopfhaut ist die Grundlage für gesundes Haar. Juckreiz, Schuppen, Rötung oder Brennen sind keine Pflegefrage, sondern ein Grund für eine hautärztliche Untersuchung. Bei lichtem Haar braucht die Kopfhaut außerdem Sonnenschutz.
Was Nahrungsergänzung kann
Nahrungsergänzung hilft dem Haar nur, wenn tatsächlich ein Mangel besteht. Ohne nachgewiesenen Mangel ist ein Nutzen nicht belegt. Manche Präparate können in hoher Dosierung sogar selbst Haarausfall auslösen oder Laborwerte verfälschen. Deshalb gilt: erst messen, dann ausgleichen.
Wann Pflege nicht reicht
Pflege schont das Haar, sie hält einen Haarausfall aber nicht auf. Lassen Sie ihn abklären, wenn
- der verstärkte Haarausfall länger als drei Monate anhält,
- das Haar insgesamt dünner wird oder die Kopfhaut durchschimmert,
- der Scheitel breiter wird oder kahle Stellen entstehen,
- die Kopfhaut juckt, schuppt, brennt oder gerötet ist.
Wie die Abklärung abläuft und welche Behandlungen es gibt, lesen Sie auf unserer Seite zum Haarausfall. Einen Termin vereinbaren Sie über unsere Online-Terminbuchung oder telefonisch unter 0231 431036.
PD Dr. med. Schapoor Hessam, Facharzt für Dermatologie und Venerologie


